Die DPG e.V. zeichnet Prof. Dr.
Bernd Böhmer mit der der
Otto-Appel-Denkmünze aus. Der DPG-Nachwuchs gratulierte
recht herzlich und traf sich zu einem
Interview mit dem Preisträger.
Es ist mir eine große Ehre, dass ich diese Auszeichnung erhalten darf. Der Deutsche Pflanzenschutzdienst, ist ja eine Organisation, die es in dem Sinne eigentlich gar nicht gibt, denn Pflanzenschutz obliegt der Länderhoheit. Daher müssen immer engagierte Leute bemüht seine dieses deutschlandweite Netzwerk aufrecht zu erhalten und die Länder Organisationen zu bündeln und verknüpfen. Die Bundesinstitutionen und insbesondere das Julius-Kühn-Institut (JKI) haben die große Aufgabe, diese Bündelfunktion wahrzunehmen und die einzelnen Pflanzenschutzinstitutionen in den Ländern dadurch zu stärken. Dazu habe ich versucht meinen Beitrag zu Leisten und ich denke, dass uns dies gemeinsam in den letzten Jahren ganz gut gelungen ist.
Es muss Menschen geben,
die davon überzeugt sind, dass diese Zusammenarbeit wichtig ist. Ich denke
auch, dass meine langjährige Tätigkeit im Sachverständigen-Ausschuss, mein
Engagement in der Lehre und die Arbeit in verschiedenen Bundesgremien über
meine eigentliche dienstliche Tätigkeit in NRW hinaus, die Gründe sind weshalb
ich nun die Auszeichnung erhalten darf
Wir haben uns in den
letzten Jahren sehr bemüht die Computertechnik zu nutzen, um die Vielfalt des
Integrierten Pflanzenschutzes (IP) zu bündeln, vielleicht verständlicher zu
machen und auch einfacher zu gestallten. Ich denke, dass uns das mit dem
Netzwerk ISIP gelungen ist, doch einige Informationen für Landwirte und Gärtner
verfügbarer zu machen und auch über die Expertensysteme
Infektionswahrscheinlichkeiten besser absehen zu können. Dieses Netzwerk, was
jetzt zur Verfügung steht, das ich für einen wirklich großen Schritt halte, ist
aber noch besser nutzbar, wenn man die Berater intensiver mit einbezieht. Die
automatische Verknüpfung von schlagbezogener Infektionswahrscheinlichkeit mit
den Empfehlungen des vertrauten
Beraters, der die Situation vor Ort beurteilt, die fehlt in weiten
Teilen und diese wichtigen Elemente hätte ich gerne miteinander verbunden, weil
es nicht nur für die Beratung eine große Effizienzsteigerung bringen würde,
sondern auch für den Landwirt, der die Informationen abfragt.
Sicherlich sind es immer
Menschen, die an verschiedenen Stellen entscheidend für die eigene Entwicklung
und das Fortkommen sind. Angefangen vom Elternhaus, bis hin zu Begleitern in
Ausbildung und im Berufsleben. Sicherlich hat mein Doktorvater mich auf den
richtigen Weg gebracht und mir einiges aufgezeigt, aber es sind nicht nur
Personen. In meinem Fall war es auch die Entwicklung in den 60er und 70er
Jahren, die sehr Produktionsorientiert war und dann auch zu sehr starken
Diskussion zur Nachhaltigkeit und zum Umweltschutz geführt hat. Dieses
Spannungsfeld zwischen Produktionssteigerung und Nachhaltigkeit hat mein
Berufsleben begleitet und dann auch die entscheidenden Weichen gestellt.
Die diesjährige
60. Deutsche Pflanzenschutztagung steht unter dem Motto: „Pflanzenschutz:
Effizienz und Vielfalt“. Welche Gedanken gehen Ihnen zu diesem Thema durch den
Kopf?
Ganz spontan, dass was
wir eben gerade angesprochen haben. Wir haben ein vielfältiges Gebilde
Integrierter Pflanzenschutz (IP). Kaum überschaubar sind die Möglichkeiten und
kaum überschaubar sind die Wege zum IP, die ja weniger aus der Sicht der
Pflanzenentwicklung her gesehen werden müssen in Zukunft, als von der
Absatzseite. Wir haben viele Jahre versucht Verfahren in die Produktion
einzuführen, das ist uns mehr oder weniger gelungen, da Absatzwege, Qualitäten
und Wünsche der Verbraucher zu wenig berücksichtigt wurden. In der Zukunft
müssen wir mehr die Ökonomie, die Absatzwege und Qualitäten mit entsprechenden
Produktionswegen im Kopf haben. Das heißt, ein ganz vielfältiger IP und das ist
den Produzenten sicherlich nur zu vermitteln, wenn wir die technischen
Möglichkeiten, die wir durch die Computertechnik haben, entsprechend
einsetzten. Also die Verknüpfung der Möglichkeiten durch die Computertechnik
und der Vielfältigkeit des IPs, die muss den Produzenten am Ende mehr Klarheit
bringen und dem Verbraucher natürlich auch.
Wenn man ein Leben lang
im Pflanzenschutz tätig war, - und Pflanzenschutz war schon vor dem Studium
mein Ziel, - dann möchte man dieses Aktivitätsfeld auch nicht von einem auf den
anderen Tag verlassen. Ich werde in der Lehre aktiv bleiben und ich werde
versuchen mich an verschiedenen Stellen als Berater einzubringen. Also wo mein
Rat gefragt ist, bringe ich ihn gerne noch ein, vielleicht einen Gang langsamer
als während der hauptberuflichen Zeit.
Aus meiner Sicht, liegt
das Problem darin, dass die Gesellschaft den chemischen Pflanzenschutz aus
einer Angst heraus beurteilt. In vielen Fällen sind es nicht die fachlichen
Kenntnisse die dem Verbraucher fehlen, sondern es sind die Ängste, die ihm
genommen werden müssen. Ich erwarte noch mehr als in der Vergangenheit, dass
Fachleute in der Lage sein werden, sachlich zu informieren, um auf diese Art
und Weise den Verbrauchern die Angst zunehmen, die von Gegnern des chemischen
Pflanzenschutzes geschürt wird.
Ja, Pflanzenschutz oder
Pflanzenbau zum Anfassen! Immer dann, wenn der Verbraucher Kontakt zu den
einzelnen Maßnahmen oder zur Produktion bekommt, dann versteht er und sieht
auch welche Möglichkeiten und welche tatsächlichen Gefahren lauern. Und wir
können nicht verschweigen, dass ein gewisses Restrisiko beim chemischen
Pflanzenschutz vorhanden ist. Das ist für den Verbraucher nicht kalkulierbar.
Erst wenn er sieht, wie mit Pflanzenschutzmitteln umgegangen wird, wie
chemische Pflanzenschutzmittel zugelassen und eingesetzt werden, welche
Gefahren tatsächlich mit diesen Stoffen verbunden sind, dann ist es in der Lage
das Restrisiko für sich zu werten. In vielen Fällen, wird er dann auch leichter
akzeptieren und nicht so angstbesetzt sein.
Bio ist, wenn es
kontrolliert angebaut und gelagert wird gut. Wenn er sich das ein Leben lang
leisten kann, freue ich mich für ihn. Beim Bio-Anbau sind wir als
Pflanzenschützer aber noch mehr gefragt, weil die Diskussion um das
rechtzeitige Verhindern von Pflanzenkrankheiten und so auch die potentielle
Gefahr der Entwicklung von Mykotoxinen viel intensiver ist als im integrierten
Anbau. Ich wünsche mir auch, dass man im integrierten Anbau verstärkt im
Vorhinein bedenkt welche resistenten Sorten haben wir, wie kann man frühzeitig
auf etwaige Krankheitsentwicklung reagieren. Also Bio-Anbau ist eine gut Sache,
leider kann man mit dieser Produktionsform den Ertrag nicht in dem Maße
sicherstellen, wie wir das zur Ernährung der Bevölkerung im großen Stil brauchen.
Deshalb ist die Bio Produktion teurer als die integrierte Produktion. Wenn er
sich das leisten kann, freue ich mich für ihn.

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