Die DPG e.V. zeichnet Prof. Dr.
Richard Sikora mit der der Anton de Bary-Medaille
aus. Der DPG-Nachwuchs gratulierte
recht herzlich und traf sich zu einem
Interview mit dem Preisträger.
DPG
Nachwuchs: Können Sie sich zurückerinnern, wann Sie Mitglied der DPG e.V.
geworden sind?
Prof. Sikora erfreut am Lachen: Schon
ziemlich lang. Ich schätze mein Eintrittsjahr war 1973/74.
DPG
Nachwuchs: Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung durch die DPG e.V.?
Prof. Sikora: Ich war sehr überrascht.
Es ist für mich unter vielen internationalen Auszeichnungen die erste Deutsche
Auszeichnung, die ich für meine wissenschaftliche Arbeit erhalten habe. Damit
wird mir eine große Ehre zu teil, da die Anzahl an hervorragenden
Wissenschaftler/innen in der Deutschen Phytomedizinischen Gesellschaft sehr
hoch ist. Es freut mich auch, dass damit meine internationalen Arbeiten aus
deutscher Sicht Anerkennung bekommen. DPG Nachwuchs: Würden Sie uns die wichtigsten Meilensteine Ihres (bisherigen) wissenschaftlichen Werdeganges beschreiben?
Prof. Sikora: Ein wichtiger Meilenstein war die Veröffentlichung des Fachbuchs „Plant Parasitic Nematodes in Subtropical and Tropical Agriculture“ an dessen Verfassung ich maßgeblich beteiligt war. Meine Berufung an die Universität Bonn war ebenfalls ein großer Meilenstein, da ich als Amerikaner auf eine deutsche Professur berufen wurde. Während dieser Zeit hatte ich das Glück 90 Doktoranden von meinem Forschungsfeld zu begeistern und mit ihnen zu arbeiten. Die Interaktion mit den Promotions- und den Diplomstudenten war ein Erfolg in Hinsicht auf die Ausbildung von neuen Phytomedizinern und den wissenschaftlichen Erkenntnissen, was ich als einen persönlichen Meilenstein sehen würde.
Prof. Sikora: Drei Personen waren für meine wissenschaftliche Laufbahn sehr wichtig und prägten diese auch. Heinrich Carl Weltzien von der Universität Bonn wäre zuerst zu nennen. Er hat sehr stark meine Internationale Arbeit unterstützt. Don B. Taylor und James B. Sinclair von der University of Illinois, USA haben mich früh für die Phytopathologie, die Nematologie und damit für meine folgende Forschung inspiriert.
Prof. Sikora: Die Effizienz von Pflanzen muss definitiv über die Züchtung erhöht werden und auch mit der Hinsicht auf eine erhöhte Toleranz gegenüber abiotischen und biotischen Stressfaktoren. Dabei darf es sich aber nicht nur auf das eigene Land und dessen Gegebenheiten handeln, sondern muss die Züchtung breiter fächern mit Blick auf finanziell ärmere Länder. So sind die Anbaubedingung in den Entwicklungsländern sehr vielfältig und meistens eher schlecht durch ausgenutzte Böden. Ein Blick auf andere, internationale Anbaugebiete kann die Effizienz und Vielfalt des Pflanzenschutzes positiv beeinflussen, wenn Vorteile adaptiert und Nachteile beseitigt werden können. Unter dem diesjährigen Motto ist Vielfalt auch eine Frage der Ausbildung von neuen Experten für den Pflanzenschutz und die Beratung von Landwirten über Pflanzengesundheit, speziell in Gebieten der Erde wo die Pflanzengesundheit kein Begriff ist.
Prof. Sikora: Wir sollten den chemischen Pflanzenschutz nicht nur verteidigen, sondern über dessen große Bedeutung für die Gesundheit der Pflanzen sprechen. Was ist eine gesunde Pflanze? Wie sieht eine gesunde Pflanze aus? Was sind die Vorteile einer gesunden Pflanze? Chemischer Pflanzenschutz kann im Sinne des integrierten Pflanzenschutzes einen noch größeren Beitrag dazu leisten gesunde Pflanzen zu haben und Erträge zu sichern. Das Risiko der verwendeten Stoffe ist durch Untersuchungen gut dokumentiert und nicht alle Pflanzenschutzmittel werden großflächig gespritzt, sondern finden schon z.B. beim Saatgut ihre Anwendung. Ein Einklang mit dem ökologischen Landbau ist trotzdem wichtig, um eine gewisse Biodiversität zu erhalten. In der Öffentlichkeit wird oft über eine landwirtschaftliche Überproduktion diskutiert, weshalb der chemische Pflanzenschutz oft hinterfragt wird. Die Antwort ist eine gesunde Pflanze. Denn nur eine gesunde Pflanze kann uns sättigen und das Risiko für diverse toxische Substanzen von manchen Pflanzenpathogenen, wie z.B. Mykotoxinen reduzieren.
Prof. Sikora: Schauen Sie über den Tellerrand, denn die Probleme sind vielfältig. Ihr Thema oder Ihr Projekt ist meistens schon sehr speziell fokussiert. Versuchen Sie diese etwas zu erweitern. Riskieren Sie einen Blick in andere nationale und internationale Arbeiten. Wenn Sie Ihre Forschung breiter und komplexer verfolgen, bekommen Sie auch einen neuen Blick auf die einzelnen Fokusebenen. Dies wird vor allem in der Industrie zu Ihrem Vorteil. Hören Sie sich auch unterschiedliche Vorträge an, nicht nur solche die sich mit Ihrem Forschungsgebiet beschäftigen.
Prof. Sikora erfreut am Lachen: Zunächst erfreue ich mich an dem immer noch ausgiebigen Kontakt zu meinen ehemaligen Studenten, der mir sehr viel bedeutet. Darüber hinaus habe ich laufende internationale Forschungsprojekte, die ich auch weiter verfolgen und ausweiten möchte. Ich schreibe zur Zeit an der Neuauflage meines Buches: Plant Parasitic Nematodes in Subtropical and Tropical Agriculture. Ein weiteres Buch über Sustainable Intensification of Agriculture in Developing Countries ist in der Vorbereitung. Auf jeden Fall wird es mit Phytopathologie zu tun haben. Es ist ein Hobby und ich bin durch und durch begeistert davon.
Das Interview führte Matheus Kuska (Bonn)

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