Samstag, 24. September 2016

Mit Sensoren in die Zukunft - Potential für den modernen Pflanzenschutz



Die DPG e.V. zeichnet PD Dr. Anne-Katrin Mahlein mit dem Julius Kühn-Preis aus. Der DPG-Nachwuchs gratulierte recht herzlich und traf sich zu einem Interview mit der Preisträgerin.

Können Sie sich zurückerinnern, wann Sie Mitglied der DPG e.V. geworden sind?
Ja sehr gut – 2008 in Kiel, im Rahmen meiner ersten Teilnahme an einer Pflanzenschutztag. 


Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung durch die DPG e.V.?
Für mich stellt der Julius Kühn-Preis eine große Ehre und Wertschätzung der eigenen Forschungsarbeit dar. 


Würden Sie uns die wichtigsten Meilensteine Ihrer bisherigen wissenschaftlichen Werdeganges beschreiben?
Ein wesentlicher Meilenstein war die Möglichkeit im Rahmen des DFG-Graduiertenkollegs (GRK 722) „Informationstechnologien für den Pflanzenschutz“ am INRES-Phytomedizin in Bonn zu promovieren.
In diesem Forschungsumfeld war es mir möglich, frühzeitig interdisziplinäre Kooperationen mit Partnern anderer Fachrichtungen wie z.B. Informatik, Geodäsie, Bodenkunde oder Medizin einzugehen und so gemeinsam spannende und herausfordernde phytomedizinische Forschungsfragen zu bearbeiten.
Ein weiterer wichtiger Meilenstein war die Etablierung der CROP.SENSe.net Nachwuchsgruppe 2014. Dies ermöglichte es mir, mit sehr viel Eigenständigkeit und frei zur nicht-invasiven Erfassung von Pflanzenkrankheiten und Resistenzreaktionen mittels Sensorik zu forschen.


Gab es Persönlichkeiten, die Ihre wissenschaftliche Laufbahn entscheidend geprägt haben?
Es gibt viele Phytomediziner, deren Arbeit mich begeistert und inspirieret – ich würde es allerdings nicht an einzelnen Persönlichkeiten festmachen, vielmehr wurde meine wissenschaftliche Laufbahn durch das optimale Forschungsumfeld und den Zusammenhalt innerhalb des INRES-Phytomedizin an der Universität Bonn über die Jahre gestaltet. Ich hatte das große Glück, hier auf Persönlichkeiten mit enormen Erfahrungsschatz in unterschiedlichen phytomedizinischen Disziplinen zu treffen und den grundlegenden Methodenschatz wissenschaftlichen Arbeitens vermittelt zu bekommen.


Die diesjährige 60. Deutsche Pflanzenschutztagung steht unter dem Motto: „Pflanzenschutz: Effizienz und Vielfalt“. Welche Gedanken gehen Ihnen spontan zu diesem Thema durch den Kopf?
Um in der pflanzlichen Erzeugung qualitativ hochwertige Produkte in ausreichender Menge zu produzieren, ist ein situationsbezogener Pflanzenschutz entscheidend. Grundlegende und präventive Maßnahmen der Pflanzenzüchtung und des Pflanzenbaus spielen hier eine große Rolle, um moderne Nutzpflanzen in unterschiedlichen Situationen leistungsfähig zu gestalten. In der nahen Zukunft des Pflanzenschutzes wird es wichtiger denn je sein, wissensbasierte Methoden auszunutzen, um ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen ökonomischen und ökologischen Anforderungen zu erreichen. Ich denke, dass Forschung und Praxis für neue Ansätze und kreative Anbausysteme offen sein sollten, um eine effektivere und nachhaltige Pflanzenproduktion sicherstellen zu können.


Der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft wird immer stärker in der Öffentlichkeit  diskutiert. Welchen Beitrag können wir als Wissenschaftler zu dieser Diskussion leisten?Die Aufklärung der Öffentlichkeit spielt hierbei eine wichtige Rolle. Wir benötigen eine sachliche und objektive  Berichterstattung über die Chancen und Risiken des Pflanzenschutzes um Verbraucher nicht zu verunsichern. Dies können wir als Wissenschaftler durch unabhängige und ergebnisoffene Forschung unterstützen, um so einen Beitrag für den Methodenreichtum des integrierten Pflanzenschutzes zu leisten.
Das Interview führte Jérôme Farhumand-Khunssari (Bonn)

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