Samstag, 24. September 2016

Eine Schwäche fürs Immunsystem


Die DPG e.V. zeichnet Dr. Stefanie Ranf mit dem Julius Kühn-Preis aus. Der DPG-Nachwuchs gratulierte recht herzlich und traf sich zu einem Interview mit der Preisträgerin.
Frau Dr. Ranf wann sind Sie der DPG beigetreten?Vor etwa eineinhalb Jahren. Mit der DPG bin ich während meiner Arbeit in München in Kontakt gekommen. Besonders beeindruckt hat mich die Unterstützung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Die Arbeitskreistreffen bieten sehr früh die Möglichkeit, einem externen Publikum wissenschaftliche Ergebnisse zu präsentieren und sich mit anderen auszutauschen. Für angehende Wissenschaftler ist das eine tolle Erfahrung. Ich ermutige auch meine Doktoranden, sich an den Treffen der DPG zu beteiligen.    

Auf der diesjährigen Deutschen Pflanzenschutztagung in Halle werden Sie den Julius Kühn-Preis der DPG verliehen bekommen. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?Persönlich freue ich mich sehr. Man verbringt als Wissenschaftlerin viel Zeit im Labor, auch abends und an den Wochenenden. Es motiviert, zu wissen, dass dies auch Anerkennung findet. Im wissenschaftlichen Umfeld hilft der Preis, meine Forschung bekannter zu machen. Ich erhoffe mir über den normalen Fachkreises hinaus mehr Interesse an unseren Ergebnissen zu wecken.

Was sind die wichtigsten Meilensteine Ihrer wissenschaftlichen Laufbahn bisher? 

Ich habe in Regensburg Biochemie studiert. Die enge Betreuung und die häufigen Laborkurse waren eine ausgezeichnete Grundlage für meine wissenschaftliche Karriere. Nach dem Diplom bin ich für ein Jahr in die USA an die University of South Carolina gegangen. Das war auch mein erster wissenschaftlicher Kontakt mit dem pflanzlichen Immunsystem – einem Gebiet, das mich bis heute beschäftigt. Nach dieser Erfahrung konnte ich viel fokussierter an meine Doktorarbeit herangehen, die ich 2011 am Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie (IPB) in Halle absolviert habe. Nach einem PostDoc am IPB bin ich 2013 an den Lehrstuhl für Phytopathologie der TU München gewechselt. Seit März 2016 leite ich dort eine Emmy Noether-Arbeitsgruppe.

Wer hat Ihre wissenschaftliche Laufbahn entscheidend geprägt? Ganz klar: Mein Doktorvater, Prof. Dr. Dirk Scheel. Er hat mir von Anfang an großen Freiraum zur selbstständigen Entwicklung und zur Umsetzung eigener Ideen gegeben. Gleichzeitig habe ich aber auch viel Unterstützung und Beratung erhalten. Nach dem Ende meiner Promotion durfte ich mein komplettes Arbeitsgebiet mitnehmen. Das ist alles andere als selbstverständlich. Die zweite prägende Person meiner bisherigen Karriere ist Prof. Dr. Ralph Hückelhoven, an dessen Institut ich auch heute meine Arbeitsgruppe leite. Er hat immer ein offenes Ohr, unterstützt mich, gibt aber auch kritisches Feedback. Gerade beim Übergang vom PostDoc zur Gruppenleiterin konnte ich sehr von seiner Erfahrung und seinen Ratschlägen profitieren.



Die diesjährige 60. Deutsche Pflanzenschutztagung steht unter dem Motto: „Pflanzenschutz: Effizienz und Vielfalt“. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema?

Wir brauchen vielfältigen Pflanzenschutz, der verschiedenste Methoden kombiniert -
von der Sortenresistenz bis zum chemischen Pflanzenschutz. Das wird heute schon in der Landwirtschaft praktiziert. Wir können auf dem Gebiet aber noch viel von Pflanzen lernen. Auch diese bedienen sich zu ihrem Schutz verschiedener Methoden, zum Beispiel mechanischen Barrieren und chemischen Verbindungen. Die Kombination unterschiedlicher Maßnahmen im Pflanzenschutz führt zu einer höheren Effizienz und erschwert die Resistenzbildung bei Pathogenen.

Der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel in der Landwirtschaft wird zunehmend kritischer in der Öffentlichkeit  diskutiert. Welchen Beitrag können wir als Wissenschaftler zu dieser Diskussion leisten?

Viele Menschen sehen mögliche Risiken, nicht aber den Nutzen des Pflanzenschutzes. Unter anderem hilft moderner Pflanzenschutz, Nahrungsmittel vor Toxinen zu schützen, die beispielweise von Krankheitserregern gebildet werden. Die durch modernen Pflanzenschutz mögliche effiziente und produktive Nutzung landwirtschaftlicher Flächen erlaubt es außerdem, andere Gebiete für Naturschutzmaßnahmen zu nutzen, auch außerhalb Europas. Wir Wissenschaftler sollten uns dafür einsetzen, die Verbraucher über diese Fakten aufzuklären, um die Debatte über das Thema zu versachlichen.
Das Interview führte Marco Reitz (IVA)




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